Eine Ausstellung über apokalyptisches Denken, (Ver-)Hoffnung und Trost im Mittelalter und heute, mit Live-Arbeiten von Tino Sehgal in der Kapelle und Kunstwerken von Marina Abramović, Francis Alÿs, Joseph Beuys, Michaël Borremans, Miriam Cahn, Lucas Cranach I, Thierry De Cordier, Albrecht Dürer, Marlene Dumas und vielen anderen in den Ausstellungsräumen.
Wir leben in unsicheren Zeiten. Klimawandel, Kriege, Spannungen zwischen Ländern, rasante technologische Veränderungen und soziale Unruhen sorgen dafür, dass sich viele verloren fühlen. Manchmal scheint es, als würden wir in eine apokalyptische Zukunft abgleiten. Das erinnert an das späte Mittelalter, als die Menschen ihre Welt als chaotisch, bedrohlich und instabil empfanden – und sich höheren Mächten hingaben, um Halt zu finden.
Jahrhundertelang bot die Religion einen Rahmen, um das Leben zu verstehen. Sie gab den Menschen Orientierung und Trost, brachte aber auch Dogmen und Ausgrenzung mit sich. Der Glaube war der Weg, um Ordnung in eine oft unverständliche Realität zu bringen. Heute ist diese selbstverständliche Rolle der Religion verschwunden. Wir leben in einer säkularisierten und fragmentierten Gesellschaft. Wo finden wir nun neue Formen von Halt, Verbundenheit und Hoffnung? Wie geben wir unseren Ängsten und Sehnsüchten einen Platz?
Diese Ausstellung geht von dieser Suche aus. Sie zeigt, wie Künstler früher und heute mit Unsicherheit und Angst umgehen, wie sie große Geschichten und kleine Rituale gestalten und wie Kunst neue Perspektiven für kollektiven Halt bieten kann. Vielleicht liegt darin ein Schlüssel für unsere Zeit: nicht in vorgefertigten Antworten, sondern im gemeinsamen Suchen, Erleben und Darstellen dessen, was es bedeutet, Mensch zu sein in einer Welt voller Veränderungen.
Steigen Sie hinab in die unterirdischen Säle und tauchen Sie ein in spätmittelalterliche und zeitgenössische Kunst über Untergang und Morgendämmerung, Verzweiflung und Trost. Überirdisch, in der Kapelle, erwartet Sie eine einzigartige Live- r Arbeit von Tino Sehgal, als Übergangsritual zwischen der Welt innen und der Welt außen. Eine sinnliche und emotional aufgeladene Erfahrung, die nur in Ihrer Erinnerung existiert: intim, vergänglich und nicht wiederholbar.
Faith No More. Rituals for Uncertain Times wurde von Sarah Keymeulen und Klara Rowaert in Zusammenarbeit mit dem Co-Kurator und Künstler Kendell Geers kuratiert. Die Ausstellung umfasst Werke von Marina Abramović, Nel Aerts, Jane Alexander, Francis Alÿs, Ghada Amer, Alice Anderson, Marcella Barceló, Joseph Beuys, Bianca Bondi, Michaël Borremans, Ricardo Brey, Apollinaria Broche, Miriam Cahn, Erasmus Causse, Félix Clouet, Lucas Cranach I, Cornelius de Bourgondia, Thierry De Cordier, Paul Delvaux, Otto Dix, Gino de Dominicis, Edith Dekyndt, Bernaerd De Rijckere, Herwig Driesschaert, Marlene Dumas, Victor Ehikhamenor, Myriem El-Kaddouri, James Ensor, Michel François, Maxim Frank, Kendell Geers, John Giorno, Jeppe Hein, Carsten Höller, Kubra Khademi, Joachim Koester, Thomas Lerooy, Man Ray, Antoine Roegiers, Quinten Massijs, Tony Matelli, Hollie Miller, Shirin Neshat, Hermann Nitsch, Marion Oster, Irving Penn, Leonard Pongo, Fabrice Samyn, Tino Sehgal, Marinella Senatore, Studio DRIFT, Mircea Suciu, Luc Tuymans, Philippe Vandenberg, Joris Van de Moortel, Giovani Vanhoenacker, Klaus Verscheure, Mark Wallinger und Cindy Wright sowie Drucke von u. a. Pieter Bruegel I, Albrecht Dürer, Theodoor Galle, Rembrandt van Rijn und Hieronymus Wierix.
Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Programm mit Konzerten, Vorstellungen, Workshops und Veranstaltungen begleitet. Alle Informationen und Tickets finden Sie unter abbykortrijk.be.
Plakatbild: Mark Wallinger – Ghost (2001), mit freundlicher Genehmigung von Mark Wallinger