Wer ist Abby?
Mission
Abby Kortrijk ist ein spielerisches, leicht zugängliches und vielstimmiges Museum für bildende Kunst. Die städtische Sammlung steht im Dialog mit aktueller Kunst, dynamischen Praktiken des Kulturerbes und dem Thema „Identität” in all seinen Facetten. Zusammen mit einem vielfältigen Netzwerk von Organisationen, Schöpfern und Gemeinschaften und mit Kunst als universeller Sprache erforschen wir, was uns als Menschen definiert und verbindet, über Grenzen, Generationen und Kulturen hinweg.
Vision
„Ein Museum ist eine gemeinnützige, permanente Einrichtung im Dienste der Gesellschaft, die materielles und immaterielles Kulturerbe erforscht, sammelt, bewahrt, interpretiert und ausstellt. Museen sind öffentlich zugänglich, barrierefrei und inklusiv und fördern Vielfalt und Nachhaltigkeit. Sie arbeiten und kommunizieren ethisch, professionell und unter Beteiligung der Gemeinschaften und bieten vielfältige Erfahrungen für Bildung, Vergnügen, Reflexion und Wissensaustausch.”
(ICOM, August 2022)
I. Kunst und Kulturerbe als Spiegel unserer Identitäten
Was sagen unsere Kunstwerke, Artefakte, Denkmäler und lieux de mémoire über uns aus? Was verraten unsere Rituale und kulturellen Praktiken über uns selbst? Warum identifizieren wir uns mit bestimmten Objekten, Orten und Bräuchen? Wie genau kommen diese Prozesse der Identitätsbildung zustande? Kunst und Kulturerbe bieten einzigartige Ansatzpunkte, um miteinander über unsere Vergangenheit und unsere Identität(en) ins Gespräch zu kommen, um uns selbst und einander besser kennenzulernen und kritisch zu hinterfragen, Bedeutungsebenen und Annahmen aufzudecken, Facetten kultureller Aneignung zu beleuchten, sich wandelnde Ideale und Normen zu untersuchen und Stereotypen zu durchbrechen. Dies erfordert jedoch einen offenen und dynamischen Ansatz.
Viel besser als ein ‚Panzer, hinter dem man sich versteckt‘, können Kunst und Kulturerbe als Gesprächsstarter dienen, um einen Dialog zwischen Menschen und Gemeinschaften anzustoßen und die Herausforderungen sowie Chancen unserer superdiversen Gesellschaft thematisierbar zu machen. Kunst und Kulturerbe sind, ungeachtet ihres intrinsischen Wertes, besonders wertvolle Instrumente, um jene Geschichten zu erschließen, die unsere komplexen, vielschichtigen Identitäten veranschaulichen und verständlich machen.
Auf diese Weise können sie nicht nur eine verbindende Rolle zwischen Generationen, Gemeinschaften und Kulturen spielen, sondern auch dazu beitragen, bestehende Sammlungen zu dynamisieren und zu aktualisieren, die gesellschaftliche Rolle des Museums zu stärken und die Schwellen für Museumsbesuche und Kunsterlebnisse zu senken. Kunst und Kulturerbe handeln von uns.
Die neue ICOM-Definition zeigt die Notwendigkeit für Museen, sich zu dynamischen Orten für Demokratie, Vielstimmigkeit, Inklusion, kritisches Denken und Dialog zu entwickeln. Neben der Bewahrung, Sicherung und Erschließung von materiellem und immateriellem Kulturerbe, was nach wie vor zum Kern der Aufgaben von Museen gehört, wächst auch die Notwendigkeit, auf aktuelle Debatten und gesellschaftliche Entwicklungen zu reagieren. Von „Aufbewahrungsorten” für bestimmte Sammlungen entwickeln sich Museen so zu lebendigen und hybriden „Kulturzentren”, die eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen verschiedenen Disziplinen und Fachgebieten, zwischen verschiedenen Gemeinschaften und Individuen schlagen können.
Mit einem eigenwilligen und dynamischen Ausstellungsprogramm über unsere vielschichtigen Identitäten möchte Abby dazu beitragen, die Dichotomie des Wir-Sie-Denkens zu überwinden und soziale Verbindungen zu stärken. Während Museen noch zu oft „kulturelle Territorien” für ein spezifisches Nischenpublikum bilden, ist Abby ein offenes Haus für ein viel breiteres und vielfältigeres Publikum. Mit einem grundlegend partizipativen Ansatz, gemeinsam genutzten Räumen und einer breiten Zusammenarbeit setzt Abby entschlossen auf Inklusion, Zugänglichkeit und Vielstimmigkeit. Mit Kunst und Kulturerbe als Spiegel und Identität als zentralem Thema bietet Abby auf spielerische, zugängliche und erkennbare Weise Raum für Reflexion, Begegnung und Transformation.
II. Ein Museum mit Persönlichkeit: die sieben Parameter von Abby
Abby Kortrijk forscht, experimentiert und programmiert auf der Grundlage eines Denk- und Wertekontextes, der dem Museum Persönlichkeit und Fokus verleiht. Inspiriert vom historischen Klosterkontext der Abtei, in der das Museum untergebracht ist, mit sieben Nischen in der Klostermauer (den „sieben Stationen”) als Symbol für den Weg zur Vollkommenheit, muss jedes Abby-Projekt sieben Parameter erfüllen.
1. „Am Anfang war die Schöpfung“: Kunst und Kreativität als Motor
Abby atmet Kunst und stellt die Vorstellungskraft, (Co-)Kreation und künstlerische Qualität von früher und heute in den Mittelpunkt – und das aus zwei grundlegenden Gründen.
Der erste ist inhaltlicher Natur. Seit Anbeginn der Menschheit drücken Kunst und Kreativität aus, wer wir sind und wie wir zueinanderstehen. Kunst ist eine universelle Sprache, die jeder verstehen und sprechen kann. Abby feiert die intrinsische Qualität der Kunst, aber auch ihre Fähigkeit, komplexe Themen auf zugängliche Weise zu beleuchten, als kreatives Werkzeug zu dienen, um neue Erkenntnisse und Perspektiven auszuprobieren, und als Spiegel, in dem wir uns selbst und unsere Mitmenschen erkennen und wiedererkennen können.
Der zweite Grund hängt mit dem spezifischen Kontext von Kortrijk zusammen. Mit einer gut besuchten Triennale für bildende Kunst, starken temporären Ausstellungen in der Stadt und einer dynamischen Landschaft aus Kunstgalerien, Kollektiven und reichen Privatsammlungen macht Kortrijk im Bereich der bildenden Kunst von sich reden. Seit der Schließung des Broelmuseums im Jahr 2015 hat die Stadt jedoch keinen Ort mehr, um die Kortrijker Kunstsammlung zu zeigen, es fehlt an qualitativ hochwertigen Ausstellungsräumen und der bildenden Kunstszene in Kortrijk fehlt ein Motor, ein zentraler Knotenpunkt und ein Anziehungspunkt mit breiter (inter)nationaler Ausstrahlung. Obwohl die museale Arbeit hinter den Kulissen immer weitergeführt wurde, wird es mit Abby im Jahr 2024 nach fast zehnjähriger Abwesenheit wieder ein physisches Museum für bildende Kunst in Kortrijk geben. Innovative Sammlungspräsentationen werden durch wirkungsvolle Wechselausstellungen ergänzt, Künstler und Schöpfer sind auch in den Bereichen Szenografie, Innenarchitektur und Kuratorium gefragt, und in einem offenen Atelier und durch partizipative Projekte werden Kunst und Kreativität auch beim breiten Publikum geweckt.
2. „Und dann war da der Mensch “: Identität als roter Faden
Mit bildender Kunst und Kulturerbe als Spiegel untersucht Abby, was uns als Menschen verbindet, definiert und unterscheidet, über Grenzen und Generationen hinweg. Die Wahl der Identität als zentrales Thema ist nicht zufällig: Sie unterscheidet das Museum nicht nur von anderen Kunstmuseen und steht in Zusammenhang mit der Geschichte von Kortrijk als Stadt der Goldenen Sporen und somit als Ort, an dem die Identitätsdebatte in der DNA verankert ist, sondern es gibt auch eine natürliche, metaphysische Verbindung zwischen Kunst, Kulturerbe und Identität.
„Denn Meisterwerke sind keine einzelnen und einsamen Geburten; sie sind das Ergebnis vieler Jahre des gemeinsamen Denkens, des Denkens durch die Masse der Menschen, so dass die Erfahrung der Masse hinter der einzelnen Stimme steht.“ (Virginia Woolf)
Kunst, Kulturerbe und Identitäten definieren und verbinden Menschen und Gemeinschaften und verleihen unserem Dasein Form, Sinn und Bedeutung. Sie schlagen Brücken zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, als zeit- und kulturgebundene Sedimente im transhistorischen Strom, den wir „kulturelles Gedächtnis“ nennen. Geprägt durch das Erbe einer gemeinsamen Vergangenheit spiegeln sie zu jedem Zeitpunkt die Werte, Normen, Geschmackspräferenzen und Stereotypen ihrer Zeit und Kultur wider.
„Im Leben und in der Kunst muss man jeden Tag von Neuem beginnen.” (Louis Couperus)
Wenn unsere Kunstwerke, Kulturerbe-Praktiken und Identitäten Produkte ihrer Zeit, kollektiver Erfahrungen und des kulturellen Gedächtnisses sind, ergibt sich daraus auch ihre intrinsische Veränderlichkeit. Sie sind lebendige Materie, sie entwickeln sich mit neuen Zeitgeistern und sich wandelnden kulturellen Kontexten, Praktiken und Ideen weiter – oder sie erwecken diese, nicht selten aus dem Randbereich heraus, selbst zum Leben. Kunst, Kulturerbe und Identität sind ständig auf der Suche nach neuen geeigneten (Ausdrucks-)Formen, spannenden Fragen und bedeutungsvollen Antworten. Mit anderen Worten: Sie sind zu jeder Zeit „work in progress”. Sie werden auch systematisch mit neuen Interpretationen, wechselnden Bewertungen und überarbeiteten Deutungen konfrontiert und bereichert – wie ständig wachsende Ablagerungen auf Gestein.
“I contain multitudes.” (Walt Withman)
Auch in ihrer Vielschichtigkeit berühren sich Kunst, Kulturerbe und Identität. Es gibt keine absolute Kategorie, kein eindeutiges Etikett, keine unveränderliche Natur, mit der man einen Menschen oder ein Kunstwerk festnageln kann. So wie ein Kunstwerk sehr unterschiedliche Einflüsse widerspiegelt und sehr unterschiedliche Interpretationen und Emotionen hervorrufen kann, so zerfallen Menschen in jedem Moment (oder werden gerade zusammengehalten) durch vielfältige, manchmal miteinander in Konflikt stehende Teilidentitäten.
„Kunst handelt von uns.“ (Abby)
Vielleicht ist das der Grund, warum das Betrachten oder Schaffen von Kunst eine so tröstliche, bewegende oder transformative Erfahrung sein kann: Kunst handelt im Wesentlichen von uns, und in all ihrer Komplexität und Mehrdeutigkeit hilft uns Kunst, mit unserer eigenen umzugehen. Umgekehrt geben wir der Kunst immer wieder Sinn und Bedeutung. „Was ist Kunst? “ und „Wer bin ich?“ sind in diesem Sinne Spiegelbilder voneinander. Die gesamte (Kultur-)Geschichte fließt durch uns hindurch. In uns sammeln sich die Jahresringe eines ewigen intergenerationellen und vielstimmigen Dialogs. Und wie Künstler haben auch wir die schöpferische Kraft, aufbauend auf den Fundamenten unseres kulturellen Gedächtnisses, durch unsere Identitäten neue Welten für uns selbst und füreinander zu erschaffen.
3. Reflektierend: Offene Forschung und kollektives Lernen als Denkweise
Die Suche nach unserem Selbstverständnis und unseren Beziehungen zueinander ist universell und immer aktuell. Abby Kortrijk möchte mit Kunst und Kulturerbe als Medium Raum schaffen für neugierige Fragen, suchende Antworten, ungeahnte Zusammenhänge und inspirierende Erkenntnisse zu diesem vielschichtigen Thema. Dabei richtet es den Blick ebenso gerne auf die allgemeine „condition humaine” wie auf die Kuriositäten menschlicher Identitäten und ebenso auf etablierte Künstler wie auf Schöpfer am Rande.
Abby ist auch neugierig auf die Sichtweise anderer: Nichts ist so erfrischend wie das Betrachten durch andere Augen. In einem offenen Dialog zwischen Künstlern, Menschen und Museen möchte Abby neue Zusammenhänge und Verbindungen schaffen und Kunst, Kulturerbe und Identität „anders betrachten”. Die Zusammenarbeit mit einem vielfältigen Netzwerk von Partnerorganisationen, externen Experten und lokalen Gemeinschaften sorgt für Wissensaustausch, gegenseitige Befruchtung und kollektives Lernen. Abby erschließt und teilt dieses Fachwissen sowohl mit der breiten Öffentlichkeit als auch mit der Branche durch Vorträge, Debatten, Workshops, Publikationen und Kolloquien.
4. Repräsentativ: Vielstimmigkeit und Multiperspektivität als Blicköffner
Vielstimmigkeit und Multiperspektivität sind wesentliche Ausgangspunkte, um die vielen Facetten unserer Identitäten untersuchen zu können. Zu diesem Zweck verankert Abby gesellschaftliches Engagement und breite, strukturelle Kooperationen fest in ihrer Politik. Das Museum baut aktiv eine vielfältige Gemeinschaft von Einzelpersonen, Gruppen und Organisationen sowie ein interdisziplinäres Netzwerk von Künstlern, Denkern und Schöpfern auf, die gemeinsam Fragen stellen und anhand der bildenden Kunst nach Erkenntnissen suchen.
Die thematischen Ausstellungen beleuchten transhistorische, interdisziplinäre und generationsübergreifende Querverbindungen, die die Universalität unserer kollektiven Suche nach unserer Identität unterstreichen. Ein permanenter Dialog mit dem Publikum durch partizipative Prozesse, gemeinsame Räume und Raum für Debatten bereichert die inhaltlichen Themen, mit denen sich Abby beschäftigt, von Grund auf; schließlich ist jeder ein Experte in Sachen „Identität”. Die Einbeziehung von Menschen und Gemeinschaften aufgrund ihrer Fachkenntnisse schafft neue Perspektiven und sorgt für Mitverantwortung, Repräsentativität und Zugänglichkeit. Auf diese Weise wird das Museum zu einem offenen Haus, in dem sich Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft willkommen, repräsentiert und einbezogen fühlen.
5. Partizipativ: gegenseitige Befruchtung zwischen Menschen und Machern
Mit „de Stadsliving” führt Abby Kortrijk ein neues Museumskonzept ein: ein niedrigschwelliges, offenes Haus, in dem Einwohner und Besucher von Kortrijk, Menschen und Schöpfer gemeinsam Raum teilen, Programme gestalten und partizipative Projekte auf die Beine stellen. Aber auch auf „institutioneller Ebene” experimentiert Abby mit Partizipation, indem sie an den Grenzen bestehender Labels und Kategorien rüttelt. Welche Rollen kann ein Museum spielen? Wer hat die Autorität, über Kunst zu sprechen? Wer darf kuratieren und führen? Wie gestalten Menschen das Museum mit und umgekehrt? Abby wirft damit nicht nur die Frage auf, wer wir sind, sondern auch, was ein Museum, eine Stadt, eine Gemeinschaft ist.
Auf dieser partizipativen Grundlage möchte Abby sowohl räumlich als auch inhaltlich offenlegen, was bisher verschlossen war. Die historische Groeninge-Abtei: bis weit ins 20. Jahrhundert hinein ein ummauertes und geschlossenes Zisterzienserkloster. Die Kunst- und Museumswelt: noch zu oft präsentiert oder angesehen als eine schwer zugängliche Bastion für die kulturelle Elite. Die Kortrijker Sammlung: eine eklektische Sammlung von Kunstobjekten, die größtenteils für die Häuser wohlhabender Bürger bestimmt war, nicht für die breite Öffentlichkeit. Kulturerbe: keine erstarrten, unumstößlichen Traditionen, sondern lebendige Praktiken. Und das sensible, immer aktuelle und unerschöpfliche Thema unserer Identitäten: noch zu oft in einem Korsett aus gesellschaftlichen Erwartungen und Einschränkungen gefangen oder auf polarisierende Kategorien reduziert.
6. Verspielt & dynamisch: Museumsbesuch als transformative Erfahrung
„Man darf seine Jugend nicht verlieren, denn dann verliert man sich auch selbst in einem Zustand der Dinge, in der Abgrenzung ‚das bin ich" – dann verliert man zusammen mit der Frage auch die Antwort.“ (Wannes Gyselinck)
Kunst ist ein Spiel, Identität auch: anziehen und abstoßen, herausfordern und gefallen, erneuern und wiederentdecken, Maske aufsetzen und Fassade ablegen. Abby Kortrijk bleibt gerne mit unserem inneren Kind in Kontakt und begrüßt die Kreativität und Authentizität verspielter Geister.
Mit innovativer Szenografie, gewagter Programmgestaltung, anregenden Workshops und gemeinsamen Räumen und musealen Rollen lädt Abby das Publikum zum Mitspielen ein. So wird das Museum zu einem dynamischen Ort, an dem sich Menschen jeden Alters wiedererkennen und neu erfinden können, an der Kunst und Kulturerbe aller Zeiten weiterhin faszinieren und überraschen können.
So wie unsere Identitäten ständig im Wandel sind, so ist es auch Abby. Es gibt keine permanente Ausstellung: Abby überrascht mit vielbeachteten temporären Sammlungspräsentationen und Ausstellungen in Räumen, deren Innenausstattung und Gestaltung sich regelmäßig ändern. Es gibt kein festgelegtes Programm: Ein lebendiges Netzwerk von Gemeinschaften und Organisationen bestimmt mit, was zu sehen und zu tun ist. So wird Abby zu einem Gesamtkunstwerk, das niemals fertig ist: Es entwickelt sich weiter, erforscht und experimentiert gemeinsam mit dem Publikum.
7. Nachhaltig und fair: Auswirkungen auf Menschen, nicht auf die Umwelt
Abby Kortrijk leistet als Museum für bildende Kunst Pionierarbeit mit der Wahl eines zentralen Themas, mit innovativen Formen der Miteigentümerschaft und Partizipation sowie mit innovativen Museumsräumen. Auch in Bezug auf Nachhaltigkeit und faire Bezahlung möchte Abby ein Museum für die Zukunft sein.
Abby entscheidet sich beim Bauprozess und bei der Auswahl des szenografischen Materials und der Museumsausstattung so weit wie möglich für nachhaltige Techniken und wiederverwendbare Materialien. Durch intelligente Kooperationen mit Partnern in der Region können die Anschaffungsbudgets gesenkt und Vitrinen, szenografische Wände und andere Ausstellungsmaterialien ausgetauscht werden. Im Gastronomiebereich des Pavillons wird so weit wie möglich auf kurze Lieferketten, lokale Produktion und die Zusammenarbeit mit regionalen Köchen und Gemeinden gesetzt. Abby nutzt auch dankbar den Trumpf von Kortrijk als UNESCO Creative City und bezieht gerne lokale Designer, Hersteller, Produktdesigner und Spieleentwickler in die Gestaltung der Website und des Programms ein.
Vor allem aber strebt Abby nach einer nachhaltigen und fairen Arbeitsweise. Abby verpflichtet sich zu klaren Vereinbarungen und einer fairen Bezahlung für Künstler, Experten und Freiwillige. Vor allem aber strebt Abby in der Zusammenarbeit und im Austausch mit Menschen und Machern nach langfristigen Prozessen und Verbindungen, die weit über die Dauer einer Ausstellung oder eines partizipativen Prozesses hinausgehen.
III. Neue Perspektiven auf die Sammlung
Die Sammlung von Kortrijk ist, wie viele städtische Sammlungen, eine historisch gewachsene, eklektische Sammlung bildender Kunst, angewandter Kunst und einer Reihe kleinerer Teilsammlungen. Nach der Schließung des Broelmuseums im Jahr 2015 wurde die museale Arbeit rund um die städtische Sammlung – von der Erhaltung und Verwaltung über die Forschung und Erschließung bis hin zu breit angelegten öffentlichen Aktivitäten – hinter (und manchmal auch vor) den Kulissen unvermindert fortgesetzt. Die städtische Sammlung behielt daher in den letzten Jahren ihr Qualitätslabel und ihre Anerkennung als regionales Museum. Auf der Grundlage dieser bestehenden Arbeit und nach Jahren intensiver Vorbereitungen startet das Museum mit Abby Kortrijk nun einen ambitionierten Neuanfang. Auch in Abby bildet die städtische Sammlung das Herzstück der musealen Arbeit.
Der neue Ansatz weist jedoch wichtige Unterschiede zum Ansatz im ehemaligen Broelmuseum auf. Zunächst einmal wird die Sammlung inhaltlich auf neue Weise untersucht und zugänglich gemacht. Abby ist kein Stadtmuseum, in dem anhand von Sammlungsobjekten ein chronologischer, historischer oder pädagogischer Überblick über die (Kunst-)Geschichte der Stadt und der Region gegeben wird. Der frühere Fokus auf lokale und regionale (dekorative) Künstler sowie auf Kortrijker Szenen und Motive bleibt im neuen Museum zwar relevant, ist aber nicht mehr der wichtigste Blickwinkel. Wie oben beschrieben, hat Abby die Mission, mit Kunst und Kulturerbe als Spiegel das breite Thema „Identität” in all seinen Facetten zu untersuchen. Die Heterogenität der städtischen Sammlung ist für diesen Ansatz ein Vorteil: Sie ermöglicht es, eine Vielzahl von Perspektiven zu diesem Thema zu beleuchten. „Identität” findet sich dabei in den Dekoren bestimmter Stücke, aber auch in ihrer Form, Funktion und Geschichte: Auch wann, zu welchem Zweck und für wen sie hergestellt und gesammelt wurden, kann etwas darüber aussagen, wie Identitäten geschaffen, gestärkt oder verändert werden.
IV. Vielstimmige Ausstellungen
Die renovierte Kapelle aus dem 16. Jahrhundert und zwei neue unterirdische Säle mit Klimaklasse A bieten Platz für ein vielfältiges Ausstellungsprogramm, das auf eine breite (inter)nationale Wirkung abzielt. Abby organisiert jährlich eine große und eine kleinere Ausstellung, in denen die Sammlung durch Leihgaben und Auftragsarbeiten ergänzt wird. Abby setzt sich dafür ein, auch die zahlreichen wertvollen Privatsammlungen der Region ins Museum zu holen und so der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ergänzend zum eigenen Programm bietet Abby Raum für Partnerorganisationen wie Be-Part, With und Designregio sowie für wandernde, ausländische Ausstellungen, die sich mit dem breiten Thema „Identität” befassen.
Die thematischen Ausstellungen untersuchen Geschichten aus Vergangenheit und Gegenwart, die mit unserer Identität zu tun haben. Die schier unerschöpfliche Longlist der Ausstellungsthemen reicht von „Kindheit” bis „Fetisch”, von „Tiere” bis „Metamorphose”. Sie bringen Kunst- und Kulturgüter aus verschiedenen Epochen und Kulturkreisen zusammen und beleuchten die transhistorischen, interdisziplinären und generationsübergreifenden Querverbindungen, die die Universalität unserer kollektiven Suche nach unserer Identität unterstreichen. Abby arbeitet dabei mit einer vielfältigen Gruppe externer Experten und wechselnden Co-Kuratoren zusammen und lässt sich vom ständigen Austausch mit Gemeinschaften und Publikum inspirieren.
V. Ein Haus mit vielen Räumen:
Das Stadtleben als neuer Museumsraum
Abby Kortrijk ist ein neues Museum in einem bestehenden Gebäude. Um den Ambitionen gerecht zu werden, wird die historische Abtei oberirdisch um einen Parkpavillon ergänzt und unterirdisch um zwei hochwertige Ausstellungsräume erweitert. Der Entwurf der Stararchitekten Barozzi-Veiga + TAB Architects verwandelt das Museum in ein zeitloses, kompaktes und nachhaltiges architektonisches Juwel, das das Kulturerbe in den Mittelpunkt stellt und als Magnet für die Stadt und für Besucher von weit außerhalb fungieren wird.
Sowohl inhaltlich als auch räumlich wird Abby ein Haus mit vielen Räumen sein. Im Großen und Ganzen bietet es den Besuchern zwei Rundgänge. Die Wechselausstellungen sind in den unterirdischen Sälen und in der Kapelle aus dem 16. Jahrhundert zu sehen. Der Stadsliving umfasst einen Wohnbereich mit innovativer Sammlungpräsentation, einen „Speisesaal” (Abby Café), der Teil des Museumsprogramms ist, einen partizipativen Salon, ein offenes Atelier und einen öffentlichen Garten. Darüber hinaus dient das Stadsliving als informeller Empfangsbereich für Besucher, als Ticketschalter für den kostenpflichtigen Rundgang, als eigenwilliger Museumsshop und als Raum für Vorträge und Salongespräche über Kunst, Kulturerbe und Identität.
Im Pavillon erinnert der lange Tisch an das ehemalige Refektorium der Abtei. Besucher kommen hier zusammen, um das Programm zu entdecken, sich zu treffen, zu lesen, zu arbeiten und gemeinsam etwas zu essen oder zu trinken. Vitrinen in der Bar zeigen passende, wechselnde Sammlungsobjekte. Das Menü ist Teil des Programms, genauso wie Essen untrennbar mit unseren kulturellen Identitäten verbunden ist. In Zusammenarbeit mit einem breiten und vielfältigen Netzwerk von Organisationen und Gemeinschaften werden hier Rituale gefeiert, Rezepte gesammelt und künstlerische Abendessen veranstaltet.
Wer vom Pavillon oder vom Park aus das Dormitorium betritt, gelangt in ein prächtiges Wohnzimmer für die Stadt. Die Sammlung präsentiert Kunst, die ursprünglich dazu bestimmt war, die Wohnräume der Reichen zu schmücken, und macht sie für alle zugänglich. Sie bringt sie in einen Dialog mit aktueller Kunst. So wie Menschen ihr Wohnzimmer von Zeit zu Zeit neu einrichten, so gestalten Künstler und Gemeinschaften die Identität dieses Wohnzimmers immer wieder neu. In diesem innovativen Museumsraum kann man lange verweilen, um alles zu entdecken. Man kann sich mit einem Getränk hinsetzen, Kunst betrachten, ein Buch lesen, sich vom Museumsbesuch erholen oder an einem Salon-Gespräch teilnehmen.
Im Obergeschoss bietet der Salon lokalen Gemeinschaften und Partnerorganisationen Raum für Experimente. Es finden partizipative Projekte statt und es werden Vorträge und Debatten organisiert. Im Atelier kann das Publikum selbst kreativ werden, es werden maßgeschneiderte Bildungsworkshops für verschiedene Gruppen angeboten und junge Künstler und Artists in Residence erhalten Raum zum Arbeiten und Ausstellen.
Kreativität und Innovation sind Teil unserer DNA. Sie sind das Produkt menschlicher Interaktion: Wo wir uns begegnen und inspirieren, entstehen neue Dinge. Kunst lädt zu einem Gespräch darüber ein, wer wir sind und wie wir zueinander stehen. Dennoch sind klassische Museen oft noch zu unzugänglich, steril und verschlossen, mit Sälen, durch die wir nur flüchtig und vorsichtig hindurchgehen dürfen. Mit dem Stadsliving führt Abby ein neues Museumserlebnis ein, das sich wie ein zweites Zuhause anfühlt und die menschliche Vorstellungskraft feiert. Offen, warm und verbindend, mit Raum für Reflexion, Begegnung, Co-Kreation und Transformation.