Von der Abtei zu Abby

Abby liegt im historischen Herzen von Kortrijk, auf dem Gelände der ehemaligen Groeninge-Abtei. Im Laufe der Jahrhunderte erhielt dieser Ort unterschiedliche Bedeutungen: von Abtei zu Kloster, von Museumsstandort zu einem offenen Haus für bildende Kunst.

Das historische Abteigelände wurde von Barozzi Veiga + TAB Architects in ein zeitloses architektonisches Kleinod verwandelt.

Museum Abby. Simone Marcolin
Schets van Abby

Das Gebäude von Abby ist mehr als ein Museumsgebäude. Es ist eine architektonische Geschichte über Zeit, Wandel und Begegnung. Dabei wurde nicht auf ein spektakuläres neues Wahrzeichen gesetzt, sondern auf einen sorgfältigen Dialog zwischen Alt und Neu.

Für die Transformation des Geländes gingen Barozzi Veiga und TAB Architects von einer klaren Vision aus: nicht gegen die Vergangenheit bauen, sondern mit der Vergangenheit bauen. Ihr Entwurf sucht keinen Bruch, sondern Kontinuität. Bestehende Gebäude wurden von späteren Ergänzungen befreit, historische Räume erhielten wieder Raum zum Atmen, und neue Eingriffe wurden sorgfältig mit dem Vorhandenen verwoben. Erhalt, Wiederherstellung und Transformation bilden somit die drei Grundpfeiler des Projekts.

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Geschichtete Architektur

Die Groeninge-Abtei hat eine lange Geschichte. Im Laufe der Jahrhunderte wurden Gebäude hinzugefügt, angepasst, abgerissen und wiederaufgebaut. Steine wurden wiederverwendet, alte Strukturen erhielten neue Funktionen, und jede Generation hinterließ ihre Spuren. Die architektonische Schichtung von Abby spiegelt das zentrale Thema des Museums wider: Identität. Genau wie Menschen aus Erinnerungen, Erfahrungen und Einflüssen bestehen, die sich im Laufe der Zeit ansammeln, ist auch das Gebäude eine Zusammenkunft verschiedener Geschichten und Zeiten.

Oberirdisch bleibt die historische Komposition lesbar, und die Vergangenheit übernimmt wieder die Hauptrolle. Die ursprüngliche Kapelle und die Schlafräume wurden wieder erkennbar gemacht, der historische Innenhof erhielt seinen Platz zurück, und ein Großteil der neuen Ausstellungsinfrastruktur zog unter die Erde um. So konnte Abby wachsen, ohne die historischen Baukörper zu dominieren.

Der neue Parkpavillon, in dem sich das Abby Café befindet, ist das markanteste neue Element. Die kraftvolle, fast archetypische Form verweist auf die Schrägdächer der Abtei und der umliegenden Kirchen, während die Fassade aus maßgefertigtem, nachhaltigem Ziegelstein dem Gebäude einen zeitlosen Charakter verleiht.

Im Inneren sorgen die hohen, sich nach oben verjüngenden Wände und ein verstecktes Oberlicht für ein besonderes Lichtspiel. Große Fenster verbinden das Innere mit dem Begijnhofpark und machen aus dem Café einen offenen Begegnungsort zwischen Stadt und Museum.

Auch die Narben der Vergangenheit bleiben sichtbar. Historische Böden, Tonnengewölbe, Fensteröffnungen und Spuren früherer Bauphasen verleihen jedem Raum eine eigene Identität.

Abby ist kein Gebäude, das nur eine Geschichte erzählt. Es vereint verschiedene Zeiten, Funktionen, Perspektiven und Stimmen zu einem architektonischen Ganzen. Diese Vielstimmigkeit, oder Polyphonie, durchzieht jede Schicht des Geländes: von Abtei zu Museum, von Erbe zu zeitgenössischer Kunst, von Stille zu Begegnung. So wird die Architektur selbst zu einem Spiegelbild dessen, wofür Abby steht: ein offenes Haus, in dem verschiedene Stimmen, Generationen, Disziplinen und Perspektiven nebeneinander bestehen und neue Verbindungen eingehen können.

Abby. Foto Simone Marcolin
Abby. Foto Simone Marcolin
Abby. Foto Simone Marcolin
Abby. Foto Simone Marcolin
Abby. Foto Simone Marcolin
Abby. Foto Simone Marcolin
Abby. Foto Simone Marcolin

Ein Haus mit vielen Zimmern

Abby wurde als Haus für die Kunst konzipiert, mit Räumen, die jeweils eine eigene Identität besitzen.

Das Living bildet das Herz des Museums. Dieses frei zugängliche öffentliche Wohnzimmer verbindet die verschiedenen Funktionen des Geländes und dient als Begegnungsort, Empfangsbereich und wechselnder Präsentationsort für die städtische Sammlung.

Das Salon, untergebracht in den ehemaligen Schlafräumen der Klosterschwestern, ist ein partizipativer Raum für Gespräche, Workshops, Präsentationen und Zusammenarbeit mit der Abby-Community.

Das Atelier bietet Raum für kreative Sitzungen und künstlerische Experimente, während die Galerie aufstrebenden Künstlerinnen und Künstlern eine Bühne bietet.

Entdecken Sie das Stadsliving

Die Kapelle wurde wiedereröffnet und von Zwischenböden befreit. Weiße, halbtransparente Vorhänge filtern das Tageslicht und verstärken den sakralen Charakter des Raumes. Kunstwerke erhalten hier eine besondere Präsenz, ohne dass die historische Architektur in den Hintergrund tritt.

Die unterirdischen Ausstellungsräume bilden eine zeitgenössische Ergänzung zum historischen Ensemble. Diese neutralen Räume, ohne Tageslicht und ohne störende Strukturen, bieten Künstlerinnen, Künstlern und Kuratorinnen maximale Freiheit für Wechselausstellungen.

Der Garten knüpft an die Geschichte des Abteigeländes an. Wo früher Kräuter und Heilpflanzen wuchsen, entsteht wieder ein grünes Außenzimmer, das das Museum mit der Stadt verbindet.

Auszeichnungen & Nominierungen

FAD Architecture and Interior Design Awards 2026 (ES)
Arquin-FAD

FAD International opinion Award

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FAD Architecture and Interior Design Awards 2026 (ES)
Arquin-FAD

FAD International Award            

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Architectuurprijs vlaanderen 2026 (BE)
Vlaams Architectuur Instituut                

Shortlisted categorie ontmoeten

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Henry Van de Velde Awards 2026 (BE) 
Flanders DC + VLAIO

Silver award spaces

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Henry Van de Velde Awards 2026 (BE)  
Flanders DC + VLAIO               

Gold award Public

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EUMIES AWARDS 2026 (ES)                  
Fundación Mies van der Rohe

Shortlisted

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premios arquitectura 2026 (ES)                  
CSCAE                

Shortlisted                  

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Premios de la Casa de la Arquitectura 2026 (ES)
Ministerio de Vivienda y Agenda Urbana

Shortlisted category Cohesión                

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Premios ROOM 2026 (ES)     
room                  

shortlisted Proyecto de Arquitectura                

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Museumpas 2025 (Be)                                  

Museumgebouw van het Jaar                                   

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DOMUS RESTORATION AND PRESERVATION INTERNATIONAL PRIZE 2025 (it)
Università degli Studi di Ferrara

Shortlisted                  

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Über die Architekten

Barozzi Veiga

Barozzi Veiga ist ein internationales Architekturbüro, das 2004 in Barcelona von Fabrizio Barozzi und Alberto Veiga gegründet wurde. Das Büro ist auf kulturelle, öffentliche und Bildungsbauten spezialisiert, mit besonderem Augenmerk auf Kontext, Material und räumliches Erlebnis. 

Mit Projekten wie der Philharmonie Stettin in Polen, dem Bündner Kunstmuseum in Chur und dem Musée cantonal des Beaux-Arts (MCBA) in Lausanne hat sich Barozzi Veiga zu einem international renommierten Büro entwickelt. Ihre Arbeit wurde unter anderem mit dem Mies van der Rohe Award for European Architecture und dem RIBA Award for International Excellence ausgezeichnet. Seit 2019 gehören Zeichnungen und Modelle des Büros zur permanenten Sammlung des Centre Pompidou in Paris.

Tab Architects

TAB Architects ist ein belgisches Architekturbüro mit Sitz in Gent, gegründet 2017 von Tom Debaere und Bert Bultereys. Das Büro arbeitet in unterschiedlichen Maßstäben und Kontexten, von städtebaulichen Studien bis hin zu architektonischen Projekten, stets mit Blick auf die besonderen Qualitäten eines Ortes. 

Seit seiner Gründung hat TAB Architects mehrere Architekturwettbewerbe gewonnen und ein vielseitiges Portfolio aufgebaut. Zu den jüngeren Projekten zählen The View in Löwen sowie diverse kulturelle, öffentliche und städtebauliche Entwicklungen. Das Büro arbeitet zudem mit Barozzi Veiga unter anderem am Jüdischen Museum von Belgien und am Casino-Kursaal in Knokke-Heist zusammen.