Rinus Van de Velde
(°1983, Leuven; lebt und arbeitet in Antwerpen) hat in den letzten Jahren bemerkenswerte Schritte in der Entwicklung seines Œuvres unternommen.
Während er zu Beginn seiner Karriere vor allem für seine großformatigen Kohlezeichnungen bekannt war, profiliert er sich heute als Gesamtkünstler, der verschiedene Medien wie Zeichnung, Skulptur, Installation und Film einsetzt.
Van de Veldes Werk spielt mit der Spannung zwischen Realität und Fiktion und schafft eine komplexe Welt, in der Dokumentation und Fiktion, Reproduktion und Rekonstruktion untrennbar miteinander verbunden sind. Seine Werke zeichnen sich durch eine besonders komplexe Vielschichtigkeit aus, die unter anderem auf einer sorgfältigen Komposition und Struktur, zahlreichen Verweisen auf die Kunstwelt, scharfer Ironie, visueller Intelligenz, biografischen Elementen und einer enormen Vorstellungskraft beruht. Van de Velde stellt eine alternative Welt dar, in der Mythen aus Literatur, Kunst und Film ständig in die Realität seiner eigenen künstlerischen Persönlichkeit und Praxis eindringen und eine Geschichte präsentieren, die nicht die Wahrheit erzählt, sondern eine sorgfältig arrangierte Lüge. In seinen Zeichnungen, die den Kern seines Œuvres bilden, schafft er ein Multiversum mit unterschiedlichen Handlungssträngen, in denen er sein reales Leben zu einer fiktionalen Autobiografie verzerrt. Immer wieder verwebt er die Realität mit seiner Vorstellungskraft und gibt sich so die Freiheit, sich alles, was in seine Welt gelangt, vollständig zu eigen zu machen. Mit den Alter Egos, die er ins Leben ruft, schlüpft er in die Rolle verschiedener Persönlichkeiten und erkundet Welten, die ihm (noch) nicht gehören. All diese Welten haben einen gemeinsamen Ankerpunkt: den Künstler selbst. Durch Imitationen, sorgfältig konstruierte Lügen und Aneignung kommt er mit jedem Werk der verborgenen Wahrheit über seine eigene Identität und sein Künstlertum einen Schritt näher.
Für Abby ließ sich Van de Velde vom Kreuzgang der Groeninge-Abtei und der Sammlung des Museums inspirieren. Als erster Begegnungsraum des Museums wollte Van de Velde den Living zu einem Ort machen, an dem die Besucher in Ruhe die Sammlung kennenlernen können, zu der auch eine neue Kohlezeichnung des Künstlers gehören wird. Wie die Kulissen in seinen Filmen wurde auch diese Wohnzimmerkulisse bis ins kleinste Detail ausgearbeitet und gestaltet. Jeder Stuhl, jede Pflanze, jeder Tisch und jedes Sofa wurde realitätsgetreu aus Pappe, Holz und Farbe nachgebaut. Sie laden die Besucher ein, aktiv am Universum von Rinus Van de Velde teilzuhaben.